Nikolaus Meyer in den "Schwetzinger Nachrichten"
Beim Kunstverein Speyer ist derzeit eine außergewöhnliche Ausstellung zu sehen. Nach ersten Eindrücken handelt es sich um eine der besten Präsentationen, die bisher im Kulturhof Flachsgasse gezeigt wurde . Zu sehen sind Arbeiten der 1987 im sächsischen Freiberg geborenen und in Leipzig lebenden Malerin Dorothee Liebscher. In ausdrucksstarken Werken begegnen sich Architektur und Natur in einem fortwährenden Prozess der Veränderung. Wie populär die noch recht junge Künstlerin bereits ist, lässt sich bei einem Blick auf ihre bisherige Ausstellungstätigkeit nachvollziehen. Schon während ihres Studiums für Grafik und Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig sowie einem Parallelstudium an der Universität Leipzig stellte Liebscher 2012 erstmals aus. Seitdem haben Anfragen von Museen, Galerien und weiteren Einrichtungen Jahr für Jahr eine beachtliche Steigerung erfahren. Allein im Jahr 2025 wurden Arbeiten von ihr bei 14 Kunstschauen gezeigt. In diesem Jahr ist der Kunstverein Speyer die siebte von insgesamt zehn Stationen. Qualitätsmerkmale sind zudem die Teilnahme an der Art Karlsruhe im Jahre 2022 und noch in diesem Jahr an der Art Luxemburg. In Speyer hat sie ihrer Werkschau den Titel „Traces of Tomorrow“ verliehen, wobei kunstinteressierte Besucher es nicht versäumen sollten, den „Spuren von morgen“ nachzuspüren. Mit dem Kernsatz, „jeder Ort bewahrt Spuren dessen, was einmal war und er enthält Hinweise auf das, was noch kommen wird“, kann man den künstlerischen Ansatz von Liebscher treffend umschreiben. In ihren Werken mit einer besonderen stilistischen Formensprache begegnen sich Architektur und Natur in einem fortwährenden Prozess der Veränderung. Miteinander Symbiosen artig in einer kompositorischen Einheit verbunden, erzählen verlassene Bauwerke, schwebende Fragmente und überwuchernde Vegetation von der Fragilität menschlicher Konstruktionen und der stillen Kraft der Natur, die vom Menschen geschaffene Räume verändert und neu definiert. Wobei im Malprozess architektonische Bildelemente wie Industriebrachen realen Quellen entspringen, die Liebscher nicht nur in Leipzig zur Genüge verinnerlicht hat. Anders verhält es sich bei den überwuchernden pflanzlichen Elementen. Dazu inspiriert wurde die Malerin bei einer Reise durch das vegetationsreiche Südamerika. Während Liebscher die Architektur in ihren Kompositionen exakt nachbildet, lässt sie ihrer Fantasie bei der Wiedergabe der Vegetation freien Lauf, lebt sich somit malerisch aus. So entstehen farblich akzentuierte Arbeiten mit teils hervorgehobenen Farbflächen, die in einem ansonsten eher ruhigen Umfeld einen bewussten Blickfang bilden. Durch die Zusammenführung von Architektur und Natur entstehen atmosphärisch verdichtete Bildwelten, die zwischen Realismus und Fiktion, Nostalgie und Utopie changieren und deren Reiz sich der Betrachter kaum entziehen kann. Als Besonderheit ist zudem festzuhalten, dass der Wandel der Zeit bei Liebscher bereits in den malerischen Spuren der Gegenwart sichtbar wird. Zur Finissage am Sonntag, 25. Oktober, findet um 17 Uhr ein Gespräch des Speyerer Künstlers Günter Zink mit Dorothee Liebscher statt.
Rückblick letzte Ausstellung
Abiturpreisträgerin 2025 | Lena John „Zwischen Momenten“
Parallel zur Ausstellung SHELTER zeigt die Abi-Preisträgerin im Foyer neue Arbeiten































