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Hauke Jessen | Martin Scholten

Never stop … telling stories!

Ausstellung vom 17.12.2023 bis 28.01.2024

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG
Sonntag, 17. Dezember 2023
Begrüßung Klaus Fresenius
Einführung Angela Jäger

Fotos Michael Lauter

Film © Michael Lauter

„Auf den abstrakten Arbeiten von Martin Scholten wandern verschiedenfarbige Linien über die Fläche. Wie Schlangen mäandern diese Strukturen über die weiße Lein- wand. Charakteristisch für seine Arbeitsweise ist der direkte Auftrag von der Farbtube auf die Leinwand. So wird die Breite der Farblinie stets durch den Umfang der Tuben- oder Flaschenöffnung vorgegeben. Scholtens Arbeiten entstehen in der Regel spontan „in einem Rutsch“, das heißt in einem sehr konzentrierten, überlegten Moment.“
Für die große weiße Wand an der Stirnseite des Kunstvereins hat Martin Scholten unter dem Titel „How the Nights can fly“ eigens ein riesiges Acryl-Gemälde geschaffen (2,10 x 4,60 Meter), das sogar die Lüftungsschlitze der Wand in die Komposition mit einbezieht.
Martin Scholten nutzt neuerdings fast ausschließlich Naturfarben, die er aus einer kleinen Manufaktur in England bezieht. Damit werden seine aktuellen Arbeiten organischer und ähneln natürlichen Phänomenen wie atmosphärischen Lichtreflexionen auf Wasseroberflächen oder dem Wehen von Pflanzen im Wind, ohne jedoch die Ebene der Abstraktion zu verlassen. Farben werden bei ihm selten gemischt oder ausgearbeitet, ein Pinsel kommt fast nie zum Einsatz.

Matthias Nowack in den Schwetzinger Nachrichten am 16.12.2023

Fotos Michael Lauter | Copyright © Martin Scholten – VG Bild Kunst

Hauke Jessen dagegen hat die klassische Arbeitsweise des Holzbildhauers gewählt und das mit erkennbarer Leidenschaft. Mit Stechbeitel, Holzhammer und großem handwerklichem Geschick formt er Skulpturen aus besonderen Hölzern, darunter auch mehrere tausend Jahre altes Mooreichenholz. Er versucht mit seinen Arbeiten das Traditionelle in die Moderne zu retten. Mensch und Maschine sind wichtige Themen für ihn, unsere digitale Welt natürlich auch. Unverhoffte Wendungen und Überraschungen sind bei Jessen keine Seltenheit, etwa ein mit Schmetterlingen verzierter Motorradhelm. Die Holzbildhauer-Tradition in der christlichen Kunst hat er in Kirchen gründlich studiert, gibt aber diesen traditionellen Techniken immer wieder neue Wendungen. Mit ungewöhnlichen Details überraschen seine Pietà-Darstellungen. Die Darstellung Marias als Mater Dolorosa (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus hat ihn zu mehreren Arbeiten inspiriert. Nur ein Beispiel: Bei der Pietà – Skulptur mit dem Titel „Power Nap“, die er aus 5000 Jahre altem schwarzem Mooreichenholz heraus- gearbeitet hat, hält der Leichnam Christi eine Fernbedienung in der Hand. „Ich versuche eine neue Geschichte zu erzählen, aber in einem klassischen Stil“, sagt Hauke Jessen. Philosophische Aspekte verbinden sich mit aktuellen Themen und der Betrachter kommt eigentlich nicht umhin, sich eigene Gedanken zu machen.

„Wir wissen nicht immer eine Antwort auf die großen Themen unserer Zeit“, sagt Jessen. „Wir müssen mit offenen Fragen leben.“ Genau das macht die Ausstellung dieser beiden Hamburger Künstler so spannend. Das Publikum ist aufgefordert, die hier angerissenen Geschichten aufzugreifen und weiterzuspinnen.

Matthias Nowack in den Schwetzinger Nachrichten am 16.12.2023